Sternenflotten-Nachrichtendienst

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    • Sternenflotten-Nachrichtendienst

      Admiral William Mackenzie Stryker saß am großen Tisch im Besprechungsraum Omega 01 des Sternenflotten-Hauptquartiers und sah sich entspannt um. Durch die Panoramafenster gab es eine bezaubernde Aussicht auf den belebten Campus der Sternenflotte und die Bay-Area von San Franzisko an diesem sonnigen Mittag – aber natürlich war es nur eine holografische Projektion, das gesamte Stockwerk, in dem er sich befand, war ohne Fenster oder andere Zugange nach außen angelegt worden, nur eine von vielen Maßnahmen, um die hoch sensiblen Treffen und Geheimnisse, die hier ausgetauscht wurden, vor neugierigen Lauschern zu schützen. Einige der Abwehrmethoden hatte er selbst vorgeschlagen.

      „Danke, dass Sie wie immer Zeit für uns gefunden haben, William,“ lächelte Flottenadmiral Yaresh de Salle, als er zusammen mit den beiden anderen Admiräle des Flottenkommandos Pawel Jong und Sven Erikson den Raum betrat. Sie nahmen ihm gegenüber Platz.

      „Ganz meinerseits, Sir. Ich freue mich auf diese monatlichen Meetings, nichts ist besser als persönlicher Kontakt,“ erwiderte Stryker gut gelaunt und betätigte das vor ihm liegende Padd. Hinter ihm wurde das Logo des Starfleet Nachrichtendienstes an die Wand projiziert. „Den ausführlichen Bericht meines Hauses finden Sie wie immer in Ihren Posteingängen, ihre Stabstellen haben ihn ebenfalls bereits erhalten. Ich konzentriere mich wie üblich auf erwähnenswerte Besonderheiten, sofern Sie keine Fragen haben, wenn damit alle einverstanden sind.“

      Die drei obersten Befehlshaber nickten zustimmend. Vieles in den monatlichen Lage- und Informationsbericht war relativ gewöhnlich oder reine Routine, die von den unteren Hierarchieebenen eingeordnet und verarbeitet wurden. In dieser Runde ging es vor allem um die großen, sprichwörtlich weltbewegenden Themen.

      Dass die ‚Abteilung für temporale Ereignisse‘ (Abteilung TE) wie beinahe jedes Mal einen sehr kurzen Bericht abgab, war zum Beispiel kaum mehr erwähnenswert. Die Sektion begründete dies immer mit offensichtlich effektiver Arbeit, die gewollte oder zufällige Eingriffe in die Zeitlinie bereinigte, und darum rückwirkend für das Nichteintreten irgendwelcher meldenswerter Phänomene sorgte. Je besser sie also im Falle einer Manipulation waren, umso weniger gab es hinterher also zu berichten. Genau wie viele seiner Amtsvorgänger zweifelte Stryker insgeheim an der Notwendigkeit dieser Abteilung, da er selten Erfolgsmeldungen in den Händen hielt, aber andererseits tat es auch niemanden weh, solche eine Eingreiftruppe zu haben. Und Vorsicht war allemal besser als Nachsicht. Und immerhin gab es gelegentlich den einen oder anderen Zeitreisen, der hier landete oder alternativ begaben sich erstaunlich viele Starfleet Offiziere in die falsche Zeitebene, was immer für sehr lesenswerte Analysen und Abschlussberichte sorgte.

      Anders war es mit der ‚Abteilung für Alternative Realitäten ‘ (Abteilung AR), die sich um Bedrohungen aus Paralleluniversen und anderen interdimensionalen Ebenen kümmerte. Mit den Kollegen von TE gab es gelegentlich Streit über die Zuständigkeit, je nachdem ob man alternative Zeitlinien als chronographische oder als quantenmechanische Störung einstufte. Spätestens seit den Eskapaden im Umfeld von Deep Space 9 vor einigen Jahren war die Einmischung durch andere Realitäten hochaktuell und sorgte bei der Internen Sicherheit (IS) im Sternenflotten Nachrichten Dienst (SND) regelmäßig für Ausbrüche von Paranoia und Misstrauen gegenüber allen Mitarbeitern. Aber hier war seit längeren sehr ruhig.

      Nein, heute stand ein brisantes Thema im Mittelpunkt des Treffens: Die nachdienstliche Aufklärung des Romulanisches Reiches und damit verbundenen Probleme. Passend dazu wurde das Emblem der Großmacht an die Wand projiziert.

      Der Direktor des Nachrichtendienstes legte die Hände zusammen und wurde ernst. „Es war für die Föderation und speziell für den SND schon immer eine besondere Herausforderung, an gute verlässliche Informationsquellen über das Romulanische Reich zu gelangen. Die Gesellschaft dort ist sehr verschlossen und misstrauisch, Außenstehende werden argwöhnisch behandelt und der Tal’Shiar mit seiner Spionageabwehr leistet, und das gebe ich sehr ungern zu, exzellente Arbeit und erschwert unsere Arbeit ungeheuerlich.“ Er lächelte und das Hologramm zeigte jetzt eine Liste von Namen und Porträtfotos präsentiert wurde. „In den unteren Hierarchien von Militär und Gesellschaften hatten wir dennoch relativ gute Erfolge beim Anwerben guter Informanten, und ab und zu landeten wir auch einen Glückstreffer und konnten Quellen in oberen Schichten von Verwaltung abgreifen. Die Informationslage war nie so genau und umfangreich wie etwa bei Cardassianern oder Ferengie, aber wenigstens konnten wir mit irgendwas arbeiten.“

      Die Mitglieder des Flottenkommandos nickten zustimmend. Auf der Liste der Informanten wurde sehr viele Porträts nach und mit roten Kreuzen durchgestrichen.

      Ohne Lächeln führ Stryker fort: „Als das hat mit der Machtübernahem von Shinzon einen enormen Dämpfer erhalten. Wie jeder gute Alleinherrscher hat er nach seinem Staatsstreich wesentliche Bereiche der zivilen und militärischen Verwaltung … “gesäubert“ … und die Stellen mit neuen, ihm ergebenen Personen besetzt. Diesen Aktionen und dem allgemeinen Unruhen fielen einige unserer Top-Informanten zum Opfer, die Nachrichtenlage wurde schlechter. Nach Shinzons Tod brach seine Regierung zusammen und im nachfolgenden Chaos und neuerlichen Säuberungen wurden erneut fast alle Ebenen durcheinander gewürfelt. Wir haben seitdem viele Lücken in unseren Datensammlungen und werden vermutlich noch Jahre brauchen, um wieder das alte Niveau zu erreichen. Wir wissen, dass die Remaner für Shinzons Aktion massiv büßen müssen, die Zahl der Geflüchteten und Asylsuchenden sind ja sehr stabil.“ Passend dazu wurden Bilder von remanischen Schiffen und einigen Nachrichtensendungen gezeigt, auf die er kurz deutete. „Wir wissen, dass es innerhalb des Militärs und der politischen Ebene heftige Kämpfe zwischen verschiedenen Fraktionen gibt, aber wir haben nur unzureichenden Zugang zu einigen davon. Wir kennen nicht alle Pläne und nicht genug über alle neuen Schlüsselpersonen.“ Er zeigte auf einige romulanische Frauen und Männer, die nun an der Wand dargestellt wurden. „Wir wissen auch nicht, wer aktuell die besten Chancen hat und vielleicht am Ende das Rennen macht. Der Tal’Shiar jedenfalls nutzt die fehlende Kontrolle durch Senat und Imperator jedenfalls für einige waghalsige Aktionen, die Berichte der USS Georgia kennen Sie ja. Wobei es wohl auch im Tal’Shiar mehrere Fraktionen zu geben scheint. Botschafter Spocks Bewegung zur Wiedervereinigung lehnt ja jede Zusammenarbeit mit meinem Haus ab, aber er liefert der Sternenflotte noch die besten unvergänglichen Informationen über den Zustand des Imperium. Kurz gesagt: wir wissen nicht ansatzweise genug und eine Besserung ist nicht in Sicht.“ Der Admiral lehnte sich zurück und erkannte in den Gesichtern der anderen Offiziere die gleiche Beunruhigung, die auch ihn erfüllte hatte, nachdem er diese erste ausführliche Analyse seit seinem Dienstantritt las.

      „Ich hatte es schon befürchtet, auch wenn ich bessere Nachrichten erhofft hatte,“ meinte Erikson. „Immerhin sind wir uns dieser Schwäche wenigstens bewusst und können sie berücksichtigen.“

      Stryker nickte. „Richtig, wenigstens wissen wir, dass wir nichts wissen. Aber ein Gutes hat diese ganze Sache ja auch.“ Er lächelte gezwungen. “Das Romulanische Imperium ist weit entfernt von seiner alten Stärke und stellt, jedenfalls für die nächsten Monate und vielleicht auch Jahren, keine geschlossene und geeinte Gefahr für die Föderation dar. Man ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, es ringen zu viele verschiedene Interessen miteinander. Der Blick geht nach innen, nicht nach außen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um romulanischen Einfluss zurückzudrängen und die Föderation das Machtvakuum füllen zu lassen.“

      Pawel Jong schüttelte den Kopf. „So einfach ist das nicht. Wenn die Föderation zu forsch und energisch auftritt, kann das Signalwirkung auf diese streitenden Parteien haben und sie vorzeitig dazu bringen, sich hinter einem Banner zu sammeln. Nichts wirkt so einend wie eine Bedrohung von außen.“

      „Da bin ich völlig Ihrer Meinung, Pawel, das muss mit Fingerspitzengefühl angegangen werden. Trotzdem, die Chance ist da und wir sollten sie ergreifen, das ist eine einzigartige und vermutlich sogar einmalige Gelegenheit.“ Stryker grinste nun. „Aber das ist ja dann auch Ihre Aufgabe. Ich nehme an, dass das Präsidialamt in Paris ebenfalls schon Pläne entwickelt. Meine Leute vom SND können Ihnen Informationen liefern, aber die Umsetzung überlasse ich dann Ihnen.“
      Flottenadmiral de Salle lehnte sich vor. „Was ist mit dem Klingonischen Imperium, wie reagieren unsere Verbündeten auf diese Lage?“

      „Wie Sie wissen, habe ich sehr guten Kontakt zu Qo’no’S und bin in regen Austausch mit General Warak von Klingonischen Nachrichtendienst. Aber es dürfte kaum überraschend sein, dass man dort mit den Füßen scharrt. Die Generalität sieht hier eine Chance das Romulanische Imperium aus einigen sehr wichtigen Grenzsystem zu verdrängen und einige Jahrhunderte alte Rechnungen zu begleichen.“ Stryker betätigte das Pad und die Darstellung zeigte Szenen von Raumgefechten. „Es kam bereits zu zwei Dutzend Scharmützeln und Grenzverletzungen durch übereifrige klingonische Raumschiffkommandanten und ebenso aggressive Romulaner. Die Grenzregion ist gefährlich. Aber der Hohe Rat hat den Kriegsbestreben bis jetzt einen Riegel vorgeschoben, sie wollen keinen Alleingang ohne die Föderation starten.“

      De Salle zeigte auf ein Bild, das eine große Armada romulanischer Warbirds zeigte. Die Aufnahme war etwa 5 Tage alt von Langstreckensensoren aufgenommen und zeigte Truppenbewegung zur erwähnten Raumregion. „Die Romulaner sind angeschlagen, aber immer noch ein mehr als würdiger Gegner. Ein Krieg ist nicht im Sinne der Föderation, etwaige Pläne werden der Präsident und der Föderationsrat rundweg ablehnen.“ Alle nickten. „Die Frage ist nur, ob und wie lange die Generäle darauf verständnisvoll reagieren werden und wie lange der Hohe Rat sie zurückhalten kann. Es könnte eine Belastung des Bündnisses zwischen Föderation und Klingonischen Reiches werden.“

      „Absolut richtig, nach meinem Wissen laufen die diplomatischen Kanäle zwischen Erde und Qo’no’S gerade heiß. Das Außenministerium fragt in meinem Haus mehrfach täglich Informationen zu verschiedenen Themen ab. Ich hoffe nur, dass sich die Situation nicht entzündet. Die Frage ist nur, ob wir nicht vorsichthalber Pläne für den Fall einer Eskalation vorbereiten sollten?“ Er blickte seine drei Vorgesetzen fragend an. Alle wirkten nachdenklich, die Nachrichten waren besorgniserregend und die Drohung eines Krieges war real geworden.

      Jong sprach als Erster. „Der Nachrichtendienst soll eine Einschätzung der taktischen Fähigkeiten der romulanischen Flotte sowie eine Analyse der Verteidigungsanlagen entlang der Demilitarisierten Zone anfertigen. Soweit dies möglich ist, Sie haben ja vorhin die Grenzen der Datenbasis aufgezeigt.“

      „Verstanden, Sir, ich werde es in die Wege leiten,“ versprach Stryker. „In etwa einer Woche kann ich Ihnen einen vorläufigen Bericht geben, eine endgültige Fassung wird etwas länger brauchen. Ich nehme an, dass wir diese Information erstmal nicht den Klingonen teilen werden?“

      „Richtig erkannt, William, wir behandeln es für den Moment als das rein abstrakte Gedankenspiel, was auch ist,“ wies ihn de Salle an und stand auf, womit er andeutete, dass das Treffen damit beendet wäre. Die anderen folgten seinem Beispiel.

      „Schade, dass Sie nicht auf der Erde sind, ich hätte Sie heute Abend ansonsten zum Essen eingeladen,“ sagte der Flottenadmiral zu Stryker. „Ich habe J’Eval schon länger nicht mehr getroffen.“ Kaum hatte er den letzten Satz ausgesprochen, stockte de Salle und fügte vorsichtig hinzu: „Sie sind doch noch mit ihr liiert?“
      William Stryker lachte leise. „Keine Sorge, das sind wir. Nur hätte das Essen ohnehin nicht gepasst, sie hat heute Abend einen Auftritt in der Carnegie Hall in Carmen.“
      „Ach ja, ich erinnere mich daran, es war letzte Woche in den Nachrichten,“ fiel Erikson ein. „Sie ist die erste Klingonin in der Rolle der weiblichen Hauptfigur. Die Uraufführung wurde sehr gelobt.“
      Stryker war sichtlich stolz: „Sie war einfach fantastisch. Ich wünschte ich könnte heute Abend erneut zusehen, aber zwei besuchte Aufführungen müssen vorerst reichen und es ruft ja noch die Pflicht.“
      „Ich hoffe, dass Sie uns nächste Woche aufklären, was Sie eigentlich auf Deep Space 3 treiben, William. Sie halten sich ja sehr bedeckt. Müssen wir uns Sorgen machen?“ De Salles Tonfall war eine Mischung aus Scherz, Sorge und Drohung, je nach Auslegung.
      Aus Strykers Antwort ließ sich nicht schließen, wie er es interpretierte. „Keine Sorge, ich lege alles offen, aber ich möchte es aber erst vorstellen, wenn alles abgeschlossen ist. Unvollständige voreilige Vorstellung sind nicht meine Art. Ich wünsche noch einen ruhigen Tag.“ Er nickte allen drei zu und verschwand aus dem Besprechungszimmer.


      In seinem vorläufigen Arbeitszimmer auf DS3 beendete der Direktor des Nachrichtendienstes die Holo-Kommunikation und wirkte sehr zufrieden über den Verlauf des Gesprächs. Er bevorzugte an sich auch lieber das persönliche Gespräch in Haut und Haar, aber manchmal war eine verschlüsselte holographische Sitzung bei extrem großen Entfernungen sehr praktisch. Er schickte seinem Assistenten sofort eine Nachricht, die Zustellung des geforderten Berichts über die Flottenstärke und Verteidigungsfähigkeiten der Romulaner in die Wege zu leiten und gönnte sich dann einen Moment Verschnaufpause, indem aus dem Fenster sah. Von hier aus konnte er direkt auf einen Teil der Andock-Stationen blicken und in genau diesem Moment schob sich ein Sternenflotten-Schiff langsam mit den Manöverdüsen an einen Anlegepunkt heran. Der Schiffaufbau war mit seinem Doppelrumpf sehr kompakt und wuchtig. Der Anblick löste beim Admiral ein breites Grinsen aus.
      „Cavanaugh an Admiral Stryker“, wurde er gerufen.
      „Stryker hört“
      „Sir, die USS Bradbury ist vor 5 Minuten im System eingetroffen und legt gerade an Dock 3 an.“
      „Ich habe es gesehen, dennoch Danke, Lieutnant Cavanaugh. Teilen Sie Cpt. Kennedy mit, er soll zum Konferenzraum der Station kommen, sobald das Andocken abgeschlossen ist, also in 10 bis 15 Minuten. Und informieren Sie Commodore Rexia, dass ich ihn dort ebenfalls sprechen möchte.“
      „Verstanden, Sir.“
      RenéAdm. William M. Stryker
      Hauptadministrator der SFO-ServerDirektor des Sternenflotten Nachrichtendienst (SND)



      Jean-Luc Picard schrieb:

      Ja, Junge, Alde, das is Kaffee, echt jetzt. Und Kaffee is nun ma lecker. Schwarz, stark, und vor allem: schön lecker. Echt jetzt. Schwarz und schön lecker. Schwarzer, Junge. Jetzt echt, schwarzer Kaffee, wa, Junge, der schmeckt richtig; richtig lecker schmeckt der. Echt jetzt. Schöner, schwarzer, heißer schöner Kaffee, scheiße! Schwarzer, Junge! Schwarzer, schöner, heißer Kaffee, richtig dunkelschwarzer heißer Kaffee! Echt jetzt.
    • Neu

      (uff, die Fortsetzung kommt später als geplant, ich komme zu wenig dazu, mich auf das Thema einzulassen, aber ich will es unbedingt durchziehen)

      Während der Turbolift zur Kommandoebene fuhr, dachte Admiral Stryker nicht zum ersten Mal über die kuriosen Zufälle nach, die zur Entstehung der USS Bradbury geführt hatten.

      Die Grundidee hinter der Bradbury-Klasse war einleuchtend: Alle Systeme an Bord eines klassischen Raumschiffes der Sternenflotte waren redundant ausgelegt, von den Kommandoprozessoren bis zu den Sicherungen der Leselampen – bis auf den Warpkern, den gab es nur einmal. Die Souvereign-Schiffe führten als erstes Ersatz-Kerne mit, aber kein Schiff nutzte zwei Kerne aktiv zur gleichen Zeit. Außerdem war Energie in Notfällen grundsätzlich immer knapp, es gab nie genug. Also plante man ein Schiff mit doppeltem Rumpf, einem ozeanbereisenden Katamaran recht ähnlich, brachte in jedem einen separaten Maschinenraum mit Warpkern unter, und band jedes einzelne System mit Primär- und Sekundärleitungen pro Kern an, insgesamt also vier Energieleitungen pro Komponente. Alleine die schiere Menge an Leitungen, Relais, Wandlern und sonstigen Teilen des EM-Netzes erwies sich während der Konstruktion des Prototypen als aufwändiger als erwartet und verzögerten die Fertigstellung, vom Materialaufwand ganz abgesehen.


      Diese Anlaufschwierigkeiten wurden als noch verschmerzbar angesehen, aber die nächste große Herausforderung zeigte sich unmittelbar während der ersten Warpflüge: Es war unbedingt erforderlich, die EM-Phasen zwischen beiden Warpkernen absolut synchron zu halten, um keine Schwankungen im Energiefluss zu erzeugen, ansonsten erzeugten die Warpspulen schwankende Subraumfelder und die Energie/Geschwindigkeit-Effizienz brach rapide ein. Ähnlich war es bei den Schildemittern und Phaserbänken, die theoretische Maximalleistung war nur mit viel Arbeit zu erreichen. In Simulationen drohte sogar der Zusammenbruch der Schilde bei Schäden an einem der beiden Kerne. Der Spielraum für Abweichungen war minimal und erforderte ständige Kontrolle und Nachjustierungen, und die an den Testflügen teilnehmenden, sehr erfahrenen Senior-Ingenieure bezeichneten die Konstruktion als extrem herausfordernd. Das Energiepotential war gigantisch, aber empfindlich.
      Um die Anfälligkeit für asynchrone Energiephasen zu reduzieren, experimentierte man damit, für Warpsprünge die aktive Koppelung der Warpkerne vorübergehend aufzuheben und jede Warpgondel von nur einer Energiequelle zu betreiben. Das verlagerte das Problem der genauen Abstimmung aber nur von den Kernen hin zu den Warpfeldern, die nun als separate Einzelfelder behandelt und wiederum in Phase gebracht und dann dort gehalten werden mussten. Bei den Waffen- und Verteidigungssystem erwies sich die Trennung als wesentlich vorteilhafter, aber diese Lösung unterminierte die Grundidee einer aktiven doppelten Energiekoppelung und das Umschalten zwischen den Stromerzeugern war zudem ebenfalls nicht trivial und während Notsituationen potentiell fehleranfällig.

      Der Betrieb von zwei aktiven Warpkernen hatte sich also als Sackgasse erwiesen, der Aufwand vernichtete den potentiellen Nutzen. Das Modell aktiv-passiv, also das nahtlose Umschalten von einem Kern zum anderen, war technisch zwar realisierbar, aber rechtfertigte den enormen Materialaufwand nicht, dafür waren die denkbaren Einsatzszenarien, in denen solche Redundanz wirklich brillieren konnte, wieder zu selten. Im Grunde verbrauchte die Bradbury-Klasse pro Exemplar die Energie-Systeme von zwei Schiffen, die schneller zu konstruieren und weniger fehleranfällig waren. Es gab allerdings tatsächlich ein Merkmal dieser neuen Schiffsklasse, das wirklich sehr positiv bewertet wurde, nur war dies ein zufälliges Nebenprodukt: Die sehr kompakte, flache geführte Schiffshülle und die in den Doppelrumpf eingebetteten Warpgondeln sorgten für ein vergleichsweise kleines Ziel und eine hohe Widerstandsfähigkeit. Außerdem hatte man wegen der doppelten Rümpfe viel Raum für Lagerräume, Mannschaftsquartiere oder zusätzliche Waffen- oder Defensivsysteme. Um nicht komplett zu scheitern, entschied man sich das Projekt umzuwidmen und so wurde der Bradbury-Klasse also anstelle des nächsten technischen Pioniers ein massiver Kreuzer mit Zweitrolle als Versorgungsschiff, mit nur einem Warpkern. Und in dieser Konfiguration ging der Schiffstyp in die Serienproduktion.

      Die USS Bradbury blieb das einzige Schiff mit dem doppelten Warpkern-System und sollte zum Serienstandard umgerüstet werden, als Stryker den Nachrichtendienst übernahm. Er erfuhr von diesem besonderen Schiff eher durch Zufall, tatsächlich überhörte während einer Fahrt mit dem Lift im Hauptquartier das Gespräch zweier Senioroffiziere vom Amt für Technisches Design – ein glatter Verstoß gegen mehrere Geheimhaltungsvorschriften, aber ein Glücksfall für ihn. Neugierig geworden, hatte er sich umgehend die Pläne und Konzepte besorgt und danach begeistert seine Beziehung zum Sternenflottenkommando aktiviert, um das Schiff für den SND zu akquirieren. Admiral Willingston als Leiter der Werft hatte dem Transfer nur widerwillig zugestimmt, wahrscheinlich waren seine Erfahrungen mit dem Geheimdienst erbaulich gewesen, aber gegen den Willen des Oberkommandos kam er eben auch nicht an. Für ihn war dieses verschrobene Raumschiff, mit der gewaltigen Energiereserve, dem kompakten Design und großen Platzangebot im Inneren die perfekte Plattform zum Erproben verschiedener experimenteller Techniken, die entweder zu umstritten waren, um sie offiziell einzusetzen oder von deren Existenz niemand aus politischen Gründen wissen sollte. Und in den Lagern, Datenbanken und Köpfen des SND gab es wirklich mehr als genug Material dieser Art, das auf den ersten Einsatz wartete. Der Admiral hatte auch bereits einige sehr konkrete Vorstellungen und kannte auch die perfekten Offiziere für den Job.

      Die Türen des Turbolifts öffneten sich und holten ihn zurück in die Gegenwart und zu dem anstehenden Gespräch mit Commodore Rexia. Die Rishta hatte ihn bei seiner Ankunft auf Deep Space 3 vor einigen Tagen zwar freundlich empfangen, aber ihn auch spüren lassen, dass sie es nicht sehr schätze, auf der eigenen Station im Dunkeln gelassen zu werden. Tatsächlich hatte Stryker fast nichts über den Hintergrund seines Aufenthaltes verraten und sich die Offenbarung für das Eintreffen der USS Bradbury aufgehoben. Er war recht froh darüber, dass er zumindest dieses Geheimnis wenigstens teilweise lüften konnte, schließlich war sein Projekt auf die Zusammenarbeit mit Rexia angewiesen. Sicher, er hätte der Commodore auch einfach Befehle und Anweisungen geben können, gegen die sie nichts hätte unternehmen können und denen sie pflichtbewusst nachgegangen wäre, aber das führte auf Dauer nur zu Spannungen. Außerdem war bemüht dem Ruf des SND als ständige Geheimniskrämer etwas entgegenzusetzen. Dennoch, leicht würde es mit Rexia nicht werden…
      RenéAdm. William M. Stryker
      Hauptadministrator der SFO-ServerDirektor des Sternenflotten Nachrichtendienst (SND)



      Jean-Luc Picard schrieb:

      Ja, Junge, Alde, das is Kaffee, echt jetzt. Und Kaffee is nun ma lecker. Schwarz, stark, und vor allem: schön lecker. Echt jetzt. Schwarz und schön lecker. Schwarzer, Junge. Jetzt echt, schwarzer Kaffee, wa, Junge, der schmeckt richtig; richtig lecker schmeckt der. Echt jetzt. Schöner, schwarzer, heißer schöner Kaffee, scheiße! Schwarzer, Junge! Schwarzer, schöner, heißer Kaffee, richtig dunkelschwarzer heißer Kaffee! Echt jetzt.